Erkrankungen & Funktionsstörungen des Kiefergelenks

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Funktionsstörungen des Kiefergelenks treten sehr häufig auf. Es gibt Schätzungen, daß etwa 50% der Bevölkerung zumindestens zeitweise von Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke betroffen sind.

Dies begründet sich hauptsächlich darin, daß das Kiefergelenk aufgrund seiner Anatomie sehr störungsanfällig ist. Ein drehfähiger walzenförmiger Gelenkskopf sitzt in einer flachen Gelenkspfanne und führt eine gleichzeitige Dreh- und Gleitbewegung aus. Dazu treten bei der Kaufunktion Seitwärtsbewegungen auf. Um dies zu ermöglichen, wird das Gelenk durch eine Knorpelscheibe (Discus) in zwei Anteile getrennt.

Störungen führen nun zu einer Veränderung der Beziehung der Gelenkskörper, der Gelenkskapsel und der Knorpelscheibe.

Sehr häufig wird die Knorpelscheibe im Bewegungsablauf verlagert. Dies führt zu einem Klicken oder Knacksen im Gelenk, in schwereren Fällen kann der Mund nicht mehr in vollem Umfang geöffnet werden (Kieferklemme). Seltener sind nach langjährigen Fehlbelastungen Knorpelschäden und -abbau nachzuweisen (Arthrose), oder Veränderungen am Gelenksknorpel sind Begleiterscheinungen einer den ganzen Körper betreffenden rheumatischen Erkrankung.

Manchmal kommt es zu Schmerzen durch entzündliche Prozesse, die den Diskus und/oder die Gelenkskapsel betreffen. Die Kapsel schwillt an, Entzündungsfaktoren treten in die Gelenksflüssigkeit über, das Knochenmark im gelenksnahen Knochen sammelt ebenfalls Flüssigkeit an. Ebenso häufig betrifft die Veränderung nicht so sehr das Gelenk, sondern die an der Bewegung beteiligten Muskeln und Sehnen, sodaß Spannungen im gesamten Gesichts- und Kopfbereich (Schmerzen) auftreten können.

Letztlich muß das Kiefergelenk auch als Teil eines größeren Ganzen gesehen werden. Das Kiefergelenk bildet sozusagen die Schnittstelle zwischen Schädel, Wirbelsäule und Extremitäten einerseits und den Zähnen andererseits, so dass Störungen des einen Systems sich auf das andere übertragen können.

Eine umfassende Untersuchung des Kausystems mit Analyse des Bewegungsumfangs, der zugehörigen Muskulatur, der Zähne und des Verzahnungsmusters, Röntgen oder Ultraschalluntersuchung sind die ersten Diagnoseschritte. Bei schwereren Störungen müssen CT oder MRI (Kernspintomographie) zugezogen werden. Aufgrund der Schittstellenfunktion ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten (z.B. HNO, Neurochirurgie, Orthopädie) von entscheidender Bedeutung.

Behandlung

  • Zunächst sind alle Maßnahmen von Bedeutung, die dieBelastungen am Kiefergelenk minimieren: nichts abbeißen, weiche Kost, feuchtwarme Umschläge und evtl. schmerzstillende Medikamente und Salben.
  • Bei fehlendem Ansprechen auf diese Maßnahmen kann eineSchienentherapie oder Softlaser-Behandlung angeboten werden (siehe unten). Physiotherapeutische Maßnahmen können ergänzend helfen.
  • Operative Maßnahmen (Gelenksspülung, Gelenksspiegelung mit Entfernung von freien Gelenkskörpern, Entfernung des Diskus) stellen Maßnahmen dar, die erst nach Ausschöpfung aller vorangehenden Maßnahmen gesetzt werden.