Implantate und Knochenaufbau

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Das Einsetzen von Implantaten hat mit dem Fortschreiten der Materialforschung und dem technischen Wissensstand massiv an Bedeutung gewonnen. Nach wie vor ist aber trotz dieser Errungenschaften und Verbreitung der Technologie umfassendes Wissen sowie große Routine unablässige Voraussetzungen für den Erfolg.

Zur Begriffsbestimmung

  1. Das Implantat hat die Form einer Schraube und bezeichnet nur den Anteil, der in festem Kontakt mit dem Knochen steht (= künstliche Zahnwurzel).
  2. Auf dem Implantat können nun verschiedene Konstruktionen als Aufbau eingesetzt werden (z.B. eine Zahnkrone, eine Brücke oder auch über Verankerungselemente eine Prothese).

Ein stabiler und inniger Verbund zwischen dem eigenen Knochen und dem Implantat sind damit Voraussetzung für die Tragfähigkeit der Konstruktion. Dies ist dank der heute zur Verfügung stehenden Materialien, der Implantatform und Oberflächenbeschaffenheit zuverlässig zu erreichen.

  1. Alle Implantate bestehen aus Reintitan, ein Metall mit hervorragenden technischen Eigenschaften wie auch biologischer Verträglichkeit. Bis heute sind keine allergischen Reaktionen gegenüber Titan bekannt geworden.
  2. die überwiegende Mehrheit der Implantate sind schraubenförmig, was die optimale Festigkeit wie auch Krafteinleitung in den Knochen gewährleistet.
  3. die Oberfläche ist durch Sandstrahlung und Säureätzung extrem vergrößert, die Rauhigkeiten liegen heutzutage bereits im Nano-Bereich (millionstel Millimeter).

Allerdings bedarf es trotz dieser Eigenschaften auch der biologischen Reaktion des Körpers. Der Knochen muß das Implantat integrieren, wie nach einem Knochenbruch wachsen vom Knochen zunächst Zellen auf die Implantatoberfläche, die erst den festen Verbund zwischen Knochen und Implantat ermöglichen.

Damit ist auch ein entscheidender Punkt angesprochen: Implantate benötigen eine gewisse Einheilungszeit, damit sie die notwendige Festigkeit erlangen: diese liegt im Unterkiefer bei 2-3 Monaten, im Oberkiefer bei 4-6 Monaten. Erst nach dieser Zeit kann die Belastung mittels Krone, Brücke oder Prothese erfolgen.

Der Patient ist aber trotzdem nie zahnlos. Ein prothetischer Zahnersatz kann vom Zeitpunkt der Zahnentfernung bis zur Belastung des Implantats ständig getragen werden. Alternativ ist es auch möglich, Provisorien auf die gerade gesetzten Implantate aufzusetzen, eine gewisse Stabilität vorausgesetzt.

Die Anzahl der zu setzenden Implantate hängt nun von der Situation ab:

  • Fehlt ein einziger Zahn, so wird die Lücke mit einem einzelnen Implantat versorgt.
  • Bei Fehlen von zwei oder mehreren benachbarten Zähnen wird in der Regel eine Brücke auf mehreren Implantaten eingesetzt, für ein ganzes Kiefer liegt die Anzahl bei ca. 8 Implantaten
  • Alternativ genügen 4 Implantate pro Kiefer zur Stabilisierung einer Vollprothese

Eine genaue Vorbereitung sind unabdingbare Voraussetzungen für den Erfolg mit Implantaten:

  1. zunächst erfolgen eine genaue Besprechung, eine Erhebung des Zahnstatus, Fotodokumentation sowie Abdrücke zur Modellherstellung.
  2. Anhand der angefertigten Modelle Herstellung einer Schablone, anhand welcher die optimale Implantatposition aufs Röntgen übertragen werden kann (je nach Situation auch CT oder DVT) Röntgendurchzeichnung (Ausmessen des Röntgens, um Implantatdurchmesser und -länge zu bestimmen).
  3. Vereinbarung eines OP-Termins, genaue Aufklärung über den Eingriff, OP-Einwilligung.
  4. Mundhygiene im Bedarfsfall optimieren.

Dieser Ablauf wird heutzutage durch den Einsatz von Computern in der Planungs- und OP-phase präzisiert (computerunterstützte Navigation), wodurch der Eingriff mit minimaler Schnittführung und besserem Komfort nach der Operation ablaufen kann.

Knochenaufbau

Fallweise wird es notwendig sein, vorbereitend vor dem Einsetzen von Implantaten Knochen aufzubauen. Besonders bei lange zurückliegendem Zahnverlust oder weitgehendem Zahnfleischabbau liegt häufig zuwenig Knochen vor, um ein Implantat stabil zu verankern.

Folgende Varianten werden durchgeführt:

Auflagerungsplastik: es wird ein Knochentransplantat seitlich auf den Kieferkamm aufgelagert und fixiert (verschraubt), bei zu geringer Breite des Kieferkamms.

Einlagerungsplastik (sog. Sinuslift): im Oberkiefer-Seitenzahnbereich wird der transplantierte Knochen in einen künstlich geschaffenen Hohlraum zwischen Oberkiefer und Kieferhöhle (unter die Kieferhöhlenschleimhaut) eingelagert.

Sandwichmethode: der Kieferkamm wird in horizontaler Richtung getrennt und das Knochentransplantat eingeschoben, wodurch Höhe gewonnen wird.

Das transplantierte Knochenstück kann häufig in örtlicher Betäubung aus dem Unterkiefer (Kinn, Weisheitszahnbereich) entnommen werden, seltener und nur bei ausgedehnten Defekten ist es notwendig, andere Spenderregionen auszuwählen (in Vollnarkose: Beckenkamm, Schienbeinkopf, Rippe, Schädelbereich).

Als Alternative bietet sich der Einsatz von künstlichem Knochenmaterial und Membranen an, welches z.T. industriell erzeugt wird, z.T. tierischen Ursprungs ist (Algenextrakte, Rind). Diese gelten heute nach jahrzehntelanger Anwendung als sehr sicher und garantieren auch eine hervorragende Langzeitstabilität.

Weters besteht auch die Möglichkeit, sich eigenen Knochen im Labor künstlich nachzüchten zu lassen. Dabei wird im Bereich des Weisheitszahnes ein kleines (ca. 1 cm2) Stückchen Knochenhaut entnommen, woraus sich unter Laborbedingungen innerhalb von 6-12 Wochen Knochenchips von mehreren cm3 Volumen bilden. Diese können dann wie eigener Knochen dort eingesetzt werden, wo er fehlt.

Eine weitere moderne Methode, Knochen aufzubauen, besteht in der sogenannten Distraktion. Dabei wird die Möglichkeit ausgenutzt, daß sich in einem Knochenspalt, der z.B. durch einen Schnitt erzeugt und dann mittels einer Apparatur auseinandergezogen wird, in kurzer Zeit tragfähiger Knochen bildet. Diese Methode wird v.a. bei vertikalen Defekten mit guten Resultaten angewendet.