Jour Fixe 36

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Unser letzter Jour Fixe stand ganz im Zeichen der Keramikimplantate.

Deren Popularität hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Trotzdem besteht immer noch starke Ungewissheit, da Fragen der prothetischen Versorgungsmöglichkeiten nach wie vor offen sind, sowohl was ein- wie auch zweiteilige Implantate betrifft. Im Rahmen des Infoabends wurde die prothetische Vorgehensweise bei der Versorgung der Keramikimplantate Schritt für Schritt dargestellt, Freilegung, Abdrucknahme wie auch das Zementieren der Restaurationen detailliert beschrieben. Fallbeispiele zeigten, dass die Resultate den natürlichen Zähnen sehr nahe kommen und auch unerfahrene Behandler die Versorgung leicht erlernen können. Die Beispiele wurden durch Videosequenzen unterstützt, welche das Handling der prothetischen Komponenten gut demonstrierten.

Referent: Dr. Michael Gahlert, Uni Basel

Donnerstag, 10.11.2016 - 19:00 Uhr 

Ärztekammer Vorarlberg, Vortragsraum - Schulgasse 17, Dornbirn

3 ZFP der Vorarlberger Landeszahnärztekammer

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Die neueste Generation von Keramikimplantaten besteht aus reinem Zirkondioxid und ist damit sowohl ästhetisch wie auch biologisch funktionell dem Titan überlegen (Bild 1). Es zeigte sich experimentell, dass die Adhäsion von Bakterien an diesem Werkstoff deutlich herabgesetzt ist und körpereigenes Gewebe recht gut an die Oberfläche anwachsen kann. Zudem erzielt die neueste Generation an ZrO2-Implantaten eine Mikrostuktur, die dem der herkömmlichen Titanimplantate sehr nahe kommt. Ausdrehkräfte von 100 Ncm und mehr müssen angewendet werden, um das Implantat aus seiner Verankerung zu lösen.

Derzeit sind aber nur einteilige ZrO2-Implantate auf dem Markt erhältlich. Das heißt, Implantat und Aufbau (4 bzw. 5,5 mm) sind eine Einheit. Das Implantat wird also so gesetzt, dass der Aufbauteil durch die Schleimhaut durchragt (Bild 2). Es muss also gewährleistet werden, dass das zwischenzeitlich getragene Provisorium druckfrei aufliegt. Druck führt in einem sehr hohen Maße zur Lockerung des Implantates. Als Provisorien dienen v.a. herausnehmbare Geräte, die nach der Implantation beim Aufbauteil hohlgeschliffen werden, nur in Ausnahmefällen bei sehr fest integrierten Implantaten auch einmal auf dem Aufbauteil provisorisch zementierte Provisorien.

Nach der Einheilphase erfolgt die Freilegungsoperation, die beim Keramikimplantat etwas anders abläuft wie beim herkömmlichen Titanimplantat. Das Zahnfleisch liegt dem Aufbauteil recht straff an und muss entweder mittels Retraktionsfäden, mittels Elektrotom oder durch einen kleinen Schnitt bis zur Schulter abgeschoben werden. Dann werden vorkonfektionierte Provisorienbasen aufgesetzt, angepasst und die bereits vorbestehende Krone (vom Provisorium stammend) mittels Zement aufgeklebt. Der Übergang Basis-Krone wird durch Hinzugeben von Zement passend modelliert, so dass dadurch ein individuelles Heilkäppchen geformt wurde, das nun über 2-6 Wochen getragen wird und damit das Zahnfleisch schön ausformt.

Dann folgt die Abdrucknahme. Der Abdruckpfosten wird nach Abnahme des individuellen Heilkäppchen aufgesetzt und ein herkömmlicher Präzisionsabdruck wie bei Titanimplantaten genommen. Die nachfolgende Ausarbeitung im Labor generiert nun eine ästhetisch hochwertige Vollkeramikkrone, die dann nach Fertigstellung auf den Implantatstumpf zementiert wird (Bild 3).

Herr Gahlert wies auf Fehlerquellen hin, wie die Auswahl des optimalen Zements, das Anfertigen eines Zementprotokolls, wodurch sich Überschussprobleme vermeiden lassen sollten (Konsistenz und sparsame Menge), ebenso wie das technische Einarbeiten eines "Überschussventils" in die Krone. Die Eigenschaften des Zirkondioxids verlangen vom Behandler hohe technische Ansprüche und genaues Arbeiten. Die Abnahme einer durch Abplatzen von Keramik kaputten Krone wurde demonstriert, ebenso wie Fälle von Zahnfleischschwund, welche man wie bei Titan unter Verwendung von Bindegewebstransplantaten auskorrigieren kann. Selbstverständlich sind auch alle Arten von Aufbaumaßnahmen wie bei Titanimplantaten in allen Kombinationen anwendbar.