Jour Fixe 38: Prothetik Update

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Vortrag von Dr. Anja Zembic, Universität Zürich, Prophylaxezentrum Zürich

Im Rahmen der Jour-Fixe-Veranstaltungen referierte Frau Dr. Zembic am 8.6.2017 in den Räumen der Österreichischen Ärztekammer in Dornbirn über die Wahl der prothetischen Versorgungselemente.

Sie begann ihren Vortrag mit interessanten Prozentzahlen: zahngetragene Brücken erleiden zu 16% Komplikationen, implantatgetragene zu 39%. Dies darf aber nicht erschrecken, da die implantatgetragenen überwiegend technischer Natur sind und daher durchaus reparaturfähig sind. Die zahngetragenen sind vorwiegend biologischer Natur (Devitalisierung, marginale Parodontitis) und damit zu einem hohen Prozentsatz irreversibel. Wichtig in dieser Situation ist auch die Tatsache, dass natürliche Zähne wesentlich mehr "spüren", das Tastempfinden etwa 10mal besser ausgeprägt ist als das auf Implantaten.

Sie gliederte ihren Vortrag in Abutments und Restaurationen und die damit verbundenen Eigenschaften und Differenzierungen.

Abutments gibt es in verschiedenen Arten. Da sind einteilige, aus Zirkondioxid oder Titan, sowie zweiteilige aus einer Titanbasis mit angeklebtem Keramikanteil. Diese haben nun sehr unterschiedliche Eigenschaften. ZrO2 (Zirkondioxid) ist zahnfarben, aber unter Belastung sehr bruchgefährdet. Titan ist metallisch grau und gegenüber Druckbelastung sehr stabil. Die Titanbasis kann diese Eigenschaften verbinden und erreicht dadurch bei guter Ästhetik eine recht gute Belastbarkeit, die aber dem reinen Titan nicht ganz entspricht. Bei den ZrO2-Abutments gibt es wieder solche mit interner oder externer Verbindung, wobei die internen wegen der Dünnwandigkeit wesentlich bruchgefährdeter sind (Wandstärken von unter 0,5 mm sind zu vermeiden)

Dr. Zembic griff dann die zahntechnischen Arbeitsabläufe auf, so wie in Zürich bei ihrem Technikerteam Kronen gefertigt werden. Grundsätzlich würden bei zementierten Verbindungen die Bauteile sandgestrahlt (Abutment und Krone innenseitig), silanisiert und zementiert (Panavia).

Die Langzeitstabilität ist sowohl bei Ti- wie auch ZrO2-Abutments bei 98%. Die enorme Rigidität von ZrO2 führt dazu, dass sie das Innenleben der Titanimplantate abreiben. Entnommene ZrO2-Abutments weisen daher häufig graue Spuren an der Oberfläche auf.

Biokompatibilität: bei Implantaten und Aufbauten ist gefordert, dass sie keinen EInfluss auf Knochen oder Bindegewebe nehmen, weiters die Plaqueakkumulation nicht fördern und ein gutes Anwachsen des Weichgewebes (Attachment) ermöglichen. Dies ist bei ZrO2 ín optimaler Weise verwirklicht, es konnte in den Studien sogar nachgewiesen werden, dass Bakterienzahl und Entzündungswerte gegenüber Ti-Implantaten eindeutig reduziert sind.

Vom Standpunkt der Ästhetik schimmern Ti-Aufbauten bei dünnen Gingivatypen gräulich durch. Dies ist bei ZrO2 wesentlich weniger häufig, weshalb in ästhetisch sensiblen Bereichen oder bei dünnem Gingivatyp diesen der Vorzug gegenüber Ti gegeben sollte. Bei Brückenversorgung ist natürlich das Risiko eines Bruches genau abzuschätzen.

Allgemein empfiehlt Dr. Zembic bei der Abutmentwahl daher: bei Einzelkronen gleichermaßen Ti oder ZrO2 (abhängig von Ästhetik und Gingivatyp), bei Brücken Ti oder Ti-basis, bei Kronen mit angehängtem Glied immer noch das reine Ti-Abutment.

Bezüglich der Restauration, wobei sie immer mehr zur Vollkeramikkrone tendiert, erwähnt sie als Komplikationen Schrauben- und Kronenlockerungen, sowie das Abplatzen der Keramik (Chipping) in etwa 3-5%. Letzteres kann gerade durch die vermehrten Monobloc-Versorgungen deutlich reduziert werden.

Zum Abschluss des Abends nahm sie noch zur prinzipiellen Frage Verklebung oder Verschraubung der Suprakonstruktion Stellung. Beide Vorgehensweisen haben etwa 95% Langzeiterfolg (5 Jahre). Sie geht aber heute immer mehr zur Verschraubung über, da die damit verbundenen hauptsächlich technischen Komplikationen einfacher zu händeln sind als die biologischen bei Überzementierungen.

Im Rahmen der Fragen des Publikuks ging sie auf Recall-Intervalle ein, wobei sie nicht rigide für ein 6- oder 12-Monate-Recallsystem plädierte. Dies müsse immer individuell gesehen werden und hänge auch vom Zustand der Restbezahnung sowie allgemeinen Situationen (Alter, internistische Erkrankungen, Hygienefähigkeit) ab. Das flexible Recall-Schema nach Lang (Universität Bern, Perio-Tools) würde bei Unklarheiten eine gute Hilfestellung ermöglichen.