Zahndurchbruchstörungen

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Probleme mit dem Zahndurchbruch stellen den häufigsten Grund dar, weshalb Patienten in Kontakt mit einem Kieferchirurgen treten.

Die Erklärung hierfür liegt in der Entwicklung des Zahnbogens und der Diskrepanz zwischen Platzangebot und -bedarf. Zeitlich brechen die bleibenden Zähne beginnend mit dem 6. Lebensjahr bis etwa zum 20. Lebensjahr durch die Mundschleimhaut durch und reihen sich dem Platzangebot nach bzw. im Kräftegleichgewicht des Weichgewebsgürtels im Kieferbogen an. Das wiederum bedingt, daß die zuletzt durchbrechenden Zähne (Eckzähne, 5. Zahn und Weisheitszähne) mit dem Restplatz, der ihnen noch zur Verfügung steht, auskommen müssen und daher entweder im Wachstum ganz (retiniert) oder teilweise (teilretiniert) im Kieferknochen zurückbleiben. Ebenso können sie dann entsprechend verlagert oder verkippt vorliegen.

In selteneren Fällen kann auch ein Zuviel an Zahnanlagen (überzählige Zähne) vorliegen, diese sind meistens mißgebildet und stören wiederum andere Zähne im Durchbruch.

Nicht oder nur teilweise durchbrechende Zähne sind nicht nur ein Fehler, sie bringen in der Regel auch schwerwiegende Folgeerscheinungen mit sich:

  • sie können aufgrund der Wachstumsrichtung zu einem Druck auf die vorderen Zähne führen und diese verschieben. Ein optimal korrigierte Zahnstellung wird dadurch wieder verstellt (Rezidiv). Druckgefühle können sich auch in Ohren- und Kopfschmerzen äußern.
  • bei Teilretention kann es, da die Zähne bereits Anschluß an die Mundhöhle gewonnen haben, zu Taschenbildungen und Entzündungen kommen. Folge sind lokale oder regionale Abszeßbildungen, Schwellungen der Lymphknoten, Schwierigkeiten bei der Mundöffnung, Schluckbeschwerden bis hin zu Atemnot, was eine sofortige notfallmäßige Behandlung notwendig macht ebenso können teilweise durchbrechende Zähne, da sie schwer zu pflegen sind, leichter Karies entwickeln und dadurch ebenso Eiterherde ausbilden.
  • voll retinierte Zähne bilden gerne Zysten aus, da sich der Zahnschmelz in Form eines Säckchens ausbildet, dieses kann sich, meist auf einen entzündlichen Reiz hin allmählich vergrößern und ausgedehnte Hohlräume (Zysten) ausbilden. Es besteht die Gefahr der Infektion bzw. bei großen Zysten auch des Knochenbruchs.

Den Schweregrad der Durchbruchstörung kann der Zahnarzt leicht anhand einer einfachen Untersuchung bzw. unter Zuhilfenahme eines Röntgens feststellen.

Behandlung

Bei Weisheitszähnen liegt die Behandlung in der Regel in deren Entfernung. Diese kann im symptomfreien Intervall jederzeit erfolgen. Liegt aber eine akute Entzündung vor, so führen wir meistens einen Entlastungsschnitt durch (Dent-diff-Behandlung), womit eine Ableitung des entzündlichen Sekrets ermöglicht wird. Unter Umständen reicht aber auch schon eine medikamentöse Vorbehandlung (Antibiotika, Schmerzmittel) aus.

Wir führen die Entfernung der Weisheitszähne in den allermeisten Fällen operativ durch, da damit der Zahn besser dargestellt werden kann und risikoärmer sowie leichter mit weniger Druckaufwand gehoben wird. Mitunter wird der Zahn in zwei oder mehrere Fragmente geteilt werden müssen.

Der Eingriff kann in aller Regel problemlos in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Selten besteht auch die Möglichkeit einer Allgemeinnarkose. Sind mehrere Weisheitszähne zu entfernen, so bevorzugen wir die seitengetrennte Entfernung (d.h. rechts oder links), da es von Seiten der Betäubung bzw. des Verlaufs nach der OP angenehmer empfunden wird.

In gleicher Art und Weise werden auch andere verlagerte Zähne operativ entfernt.

Manchmal ist es sinnvoll, im Durchbruch behinderte Zähne im Zuge einer Zahnregulierung einzureihen. Dies ist bei entsprechender Lage und Zahnform bis zu einem Alter von etwa 25 Jahren erfolgversprechend.

Dabei wird die Zahnkrone im Zuge des operativen Eingriffs freigelegt und ein Kettchen befestigt (geklebt), mit dessen Hilfe der Zahn aus seiner Lage in die richtige Position gezogen wird. Dies geschieht mit geringer Zugkraft innerhalb weniger Wochen.

Zahnkeimtransplantation: eine seltenere Möglichkeit besteht darin, daß man einen in der Dimension passenden und im Wurzelwachstum zu etwa 2/3 abgeschlossenen Weisheitszahn an einer anderen Stelle (wo gerade ein anderer Zahn entfernt wurde) einsetzt.

Wichtige Nebenwirkungen und Komplikationen

  • Häufig und vorübergehend treten Schwellungen auf, die im Verlauf von etwa 4 Tagen das Maximum erreichen und dann rückläufig sind, mitunter begleitet von Einblutungen, die sich als Verfärbung der Haut oder Schleimhäute manifestieren.
  • Schmerzen nach OP sind in den ersten Tagen zu beobachten und mit Schmerzmedikamenten gut zu beherrschen
  • Wundinfektionen sind unter begleitender antibiotischer Behandlung selten, können aber manchmal nach etwa 4 Tagen auftreten und Anlaß zu einer Nachbehandlung sein (sog. Dolor-post-Behandlung)
  • In den ersten 2 Tagen kann es auch leicht nachbluten, was sich aber in 90 % der Fälle mit Kompressen und kalten Umschlägen selbst stillen läßt.
  • Spezifische Komplikationen: eine Eröffnung der Kieferhöhle tritt bei Eingriffen im Oberkiefer gelegentlich auf und wird mittels spezieller Nahttechnik verschlossen (10%), weiters kann eine in aller Regel vorübergehende Gefühlsstörung an Unterlippe und Zungenrand bei Eingriffen im Unterkieferseitenbereich (4%) vorkommen.

Begleitende Maßnahmen

vor dem Eingriff

normal essen, begleitende Medikamente etwa 1 Stunde vor dem Eingriff einnehmen. Bei Anreise mit dem eigenen Auto evtl. mit Begleitperson.

nach dem Eingriff

Eisbeutel zu Hause vorbereiten, weiche und nicht zu heiße Speisen und Getränke, prinzipiell wieder ca. 2 Stunden nach dem Eingriff möglich. Wundspülung mit Kamillen- oder Salbeitee (s. Wohlfühlen) ab dem nächsten Morgen. Leichtes Hochlagern des Oberkörpers beim Schlafen. Unbedingte körperliche Schonung für 3 Tage nach der OP.

Nachkontrolle und Entfernung von Nähten in der Regel etwa 10-14 Tage nach der Operation.

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